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Sami Fayed Photography

TIGERLILLY 2.0

Schon lange gehe ich mit dem Gedanken über eine Kamerafalle für Wildtiere schwanger. Die Idee, ein Tier in seinem natürlichen Umfeld, ohne störende Einflüsse zu fotografieren ist für mich eigentlich die wahre Tierfotografie. Die präzise Planung für den Aufbau einer Kamerafalle, die Umsetzung und natürlich die unvorhersehbaren Ergebnisse reizen mich ungemein. Doch die kleinen Wildkameras, die man heut zu Tage kaufen kann, überzeugen mich nicht. Die Bildqualität ist einfach zu schlecht. Zum nachweisen und beobachten von Tieren sind sie sehr gut geeignet aber nicht für anspruchsvolle Fotografie.

Doch der Reihe nach...

Ich besitze sie schon einige Jahre, die Tigerlilly. Gebaut habe ich sie, um in Kenia, Nashörner an einem Wasserloch zu fotografieren. Fernausgelöst, versteht sich. Ich war der Fernauslöser, per Funk, auch eine Art Kamerafalle.

Tigerlilly 1.0 waiting for Giraffe, Kenia

Damals habe ich aus einer "kleinen" Zargesbox und einem Domeport aus einem ausgedienten Bruder Unterwassergehäuse, die Tigerlilly 1.0 gebaut.

unfinished Tigerlilly 1.0

Die Zargesbox wählte ich, weil die Tigerlilly wirklich robust werden sollte, wenn geht, sogar wasserdicht. Und viel Platz für Zubehör bietet. Zargesboxen sind ja bekanntlich robust und wetterfest und die ausgebauten Teile aus einem Bruder Unterwassergehäuse, welches mir mein guter Freund Reini überlies, machten die Box schon ganz gut Outdoor tauglich. Sie bekam noch 2 Beine, die ich ankletten konnte, wurde sandfarben lackiert und fertig war das Robustgehäuse für meine Kamera.

Waiting for the mud bath, Tigerlilly 1.0, Kenia, ©Reinhard Mink

Ausgelöst habe ich damals über meine Funksender, d.h. ich war in einiger Entfernung und wartete bis sich etwas zum fotografieren ergab. Und es ergab sich nichts. Ich mußte lange warten, bis sich ein Nashorn an das Wasserloch begab. Zuerst sah alles prima aus, doch dann erschrak das Nashorn und verschwand. Ob es die Tigerlilly an sich war oder ihr Geruch oder ein Sonnenreflex auf dem Domeport...ich kann es bis heute nicht sagen.

Tigerlilly 1.0 and a curious Giraffe, Kenia

Seit dem stand die Tiggerlilly 1.0 bei mir herum, irgendwie hatte ich keine Verwendung für das System. Ein einziges mal hatte ich sie dann noch im Einsatz: Es sollten in einem Wildgehege, Wölfe fotografiert werden, was auch gelang aber immer musste ich bei der Kamera bleiben, zwar recht weit weg, doch immer in Sichtweite. Das nervte.

captured Polarwolf, shot taken with Tigerlilly 1.0, Germany

Bis ich die PIR Sensoren von Camtraptions entdeckte. Das war genau das, was der Tigerlilly gefehlt hat. Ein eigenständiger Bewegungsauslöser, basierend auf Infrarotstrahlung. Zugegeben, billig sind diese Sensoren nicht aber sie arbeiten zuverlässig und sind ausgereift. Also legte ich mir solch einen Auslöser zu. Und damit began das erneute tagelange basteln an meinem neuen System, der "Tigerlilly 2.0". 

Mein jetziges Ziel war es, eine Kamerafalle zu bauen, die vollständig autark arbeiten kann, robust und wetterfest ist. Das ganze dann auch noch mit entfesseltem Blitzlicht und selbstverständlich ohne irgendwelche Kabel. Das Kameragehäuse hatte ich schon, die Tiggerlilly 1.0. 

Das Gehäuse wurde umlackiert, da es jetzt hauptsächlich auf der nördlichen Halbkugel eingesetzt werden soll. Die Beine habe ich abnehmbar verschraubt, eine Sonnenblende wurde hinzugefügt (gefertigt aus einem alten Plastikeimer und ebenfalls abnehmbar), am Boden wurde eine Stativschiene, zwecks Stativaufnahme angebracht und alles etwas getarnt. Neben dem Domport für meine Weitwinkeloptiken habe ich auch einen Planport für normale Brennweiten. Aus Tigerlilly 1.0 wurde Tigerlilly 2.0. So weit so gut. 

Tigerlilly 2.0 with dome port and legs, not complete camouflaged
Tigerlilly 2.0 with lens hood and leg,not complete camouflaged
Tigerlilly 2.0 with lens hood, not complete camouflaged
Inside Tigerlilly 2.0, lot of space for extra gear.

Jetzt kam das Thema Licht dran. Grundsätzlich besitze ich ein perfektes Lichtset. 3 Nikon SB900 Blitze +  3 Pocketwizard FlexTT5 Transceiver und einen Pocketwizard MiniTT1 mit AC3. Somit kann ich mit drei Blitzen entfesselt im iTTL/HSS Modus fotografieren. Allerdings ist das ganze nicht wetterfest und schon gar nicht robust. Es musste ein Blitzgehäuse her. Zu kaufen gibt es solche Gehäuse nicht, für die Blitze schon aber nicht mit zusätzlichem Funkauslöser und zusätzlicher Batterieversorgung. Bleibt nur selbstbauen. 

Nach einigem überlegen habe ich mich auf ein simples Kanalrohr aus PVC festgelegt. Sehr robust, gut zu verarbeiten und günstig. Und tatsächlich ich habe etwas passendes gefunden und soweit angepasst, das ich jetzt ein wirklich wasserdichtes und extrem robustes Häuschen für meinen Blitz habe. Name: "SUNNY"

Sunny
Inside Sunny

Fehlt noch eine Aufnahme für Bäume, als Stativersatz. Aus einem alten Kugelkopf, etwas Alublech, Holz, Gurtband und Neopren, war auch das schnell erledigt. 

Treemount
Sunny with tree mount

Zum Schluss fand ich noch eine alte Aluwabe die genau in die Lichtöffnung passte, so das ich das Blitzlicht nun noch gerichteter einsetzten kann. 

Jetzt zum Kern des Systems, die Auslösung der Kamera. Der PIR Sensor von Camtraption arbeitet wunderbar und zuverlässig, leider ist er kabelgestützt und das geht überhaupt nicht, höchstens als Backup. 

Also mußte ein Funksystem her. Ich besitze zu den Pocketwizards noch ein älteres Funksystem von Calumet, welches sich bis heute bestens bewährt. Damit habe ich damals schon in Afrika die Tigerlilly 1.0 ausgelöst. Jetzt musste ich nur noch den Sensor mit dem Funksender verbinden. Und genau da lag das Problem.

Da waren zum einen die unterschiedlichen Kabel von Sensor und Transceiver und zum anderen das Problem, den Transceiver dazu zu bringen, das Dauersignal des Sensors auch weiter an die Kamera zu geben. Einen Nachmittag lang habe ich mit meinem Freund Mikes gemessen, getüftelt und schlussendlich eine Lösung gefunden. Ohne Mikes wäre ich darauf nie gekommen. Nochmals danke, Mikes, für deine Hilfe. Das konfektionieren der Kabel und die Lötarbeiten am Tranceiver waren dann schnell erledigt. Vor uns lag das wahrscheinlich erste funkgestützte PIR Auslösesystem für DSLR´s.

Mit etwas Forex und Heißkleber habe ich dann noch das nötige Häuschen gebaut. Etwas Tarnung und ein Gorillapod, fertig war "Horst".

Horst on a Gorillapod
Camtraption PIR Sensor
Inside Horst, transceiver

Jetzt, nachdem ich dieses System besitzet, bleibt noch die Frage nach den einzelnen Batterielaufzeiten der Komponenten, ich bin aber überzeugt, das sie jetzt schon 2 Tage durchhalten. Wird demnächst alles gecheckt. Auch die Bildqualität ist gut. Ich hatte erst ein wenig Zweifel, ob der Domeport und meine 14-24mm Weitwinkeloptik harmonieren. Doch erste Tests ergaben gute Ergebnisse, nur bei ganz gewissen Lichtsituationen ergeben sich Spiegelungen im Domeport, die man sieht. Bleibt ab zu warten, wie oft sich solch eine Lichtsituation im Feld ergibt.

Sunny und Horst sind noch Prototypen, in Zukunft möchte ich beide Gehäuse aus Aluminium bauen, denn eines sind beide nicht: leicht!

Da ist einiges an Gewicht zusammengekommen, zugegeben, es mußte schnell gehen, durfte nichts kosten und sehr robust sein. Robust und leicht, das passt nicht zusammen. Aber beim nächsten mal, vielleicht mach ich es auch aus Karbon....

Jetzt muss sich das ganze System erst einmal draussen beweisen, ich halte euch auf dem laufenden.