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Sami Fayed Photography

Warum gerade Mihingo...?

Der ein oder andere hat es ja mitbekommen, ich war mal wieder in Afrika. Diesmal nicht zu unserer Fotosafari „Secrets of Kenia", sondern ich habe eine Lodge in Uganda besucht und porträtiert. Wie ich dazu kam, erzähle ich vielleicht ein anderes mal. Jedenfalls war ich Anfangs etwas skeptisch. Eine Lodge zu fotografieren passt so gar nicht in mein Spektrum.

Sind doch Lodges oder besser gesagt, Luxushotels, nicht gerade das, was ich mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz verbinde. Nach eingehender Recherche und mit Gesprächen der Lodgebesitzer wurde ich auf dem Papier eines besseren belehrt.

Ich hörte viel von Öko, bzw. Eco, Solarstrom, gesammeltes Regenwasser, autark, Bioessen, sozialverträglich, Wildlife Schutzprogramm, usw.. Also sagte ich zu und flog Ende November, mit etwas flauem Magen, nach Uganda. Genauer gesagt, nach Süduganda, zum Mburu National Park, an dessen Parkgrenze die Lodge sein sollte.

Das erste, was mir bei meiner 5 stündigen Fahrt vom Flughafen Entebbe zur Lodge auffiel, war die augenscheinliche Sauberkeit und Ordnung entlang der gut ausgebauten Strasse. Wer Ostafrika kennt, kennt auch die allseits anwesenden Müllhaufen, mal schwelend, meist stinkend und immer störend, die schlechten Strassen und die vielen Menschen, die von uns Muzungus immer Geld wollen. Hier, entlang der Strasse, traf ich all das nicht an. Ich war sehr positiv überrascht. Doch es kam noch viel besser.

Ich erreichte die Mihingo Lodge im dunkeln, wunderte mich schon ein wenig, als wir nach 4,5h die gut ausgebaute Strasse verliesen und auf eine Schotterpiste einbogen aber eigentlich ist das nichts ungewöhnliches in Afrika, die meisten Strassen sind Schotterpisten. Doch als wir an ein Parkgate kamen, wunderte ich mich dann doch, wieso müssen wir jetzt in den National Park fahren? Des Rätsels Lösung: Die einzige Strasse zur Lodge führt durch den Mburu National Park. Das fand ich jetzt richtig klasse. Kaum in Uganda und schon ein Night Gamedrive. Und so bekam ich in meinen ersten Stunden in Uganda dann gleich mal jede Menge lauffaule Kaffernbüffel (ich musste mehrfach kräftig auf meine Tür klopfen, damit diese urigen Burschen überhaupt die Piste verliesen), Impalas und Zebras mit. Nachdem wir das zweite Gate passiert hatten und über einen sehr verschlungenen Weg endlich an der Lodge angekommen waren, empfing mich Christel und Claimy, beide Lodgemanagerinnen, mit offenen Armen. Ich war schlagkaputt von der Reise und verschwand relativ schnell in meinem königlichem Zelt, dem „Kingsroom“.

Diese erste Nacht werde ich nicht so schnell vergessen, die Geräusche der Nacht waren doch sehr ungewohnt für mich…… Hyänengeheul so laut, als ob sie direkt auf meinem Balkon stehen würden, Getrappel um mein Zelt, als ob Ziegen herumwandern, Geraschel auf dem Zelt…..so ganz wohl war mir in dieser Nacht nicht. Trennte mich von der Außenwelt doch nur eine dünne Zeltplane.

Am nächsten Tag wurde ich über das nächtliche Treiben aufgeklärt: Die Lodge liegt malerisch eingebettet, in und auf den Mihingo Hills, einer uralten Gesteinsformation, die es hier in dieser Gegend überall gibt. Vor den Hills befindet sich ein kleines Tal mit einer Wasserstelle und Salzlecke und genau dort patrouillieren die Hyänen fast jede Nacht hindurch. Durch die besondere Lage von Hills und Tal ergibt sich ein Amphitheatereffekt und deshalb habe ich des Nachts die Hyänen so deutlich und laut gehört. Das Hufgetrappel stammte von einer Klippspringerfamilie die den Felsrücken direkt neben meinem Zelt bewohnen. Und das Geraschel auf meinem Zelt, stammte von einem Buschbaby, welches in den weiteren Nächten noch öfters über mein Zelt zur Nahrungssuche zog. Ferner erfuhr ich, dass die Lodge nicht eingezäunt ist! Nicht eingezäunt…!!! 

Nun, da war ich, auf Mihingo. Jetzt nachdem ich wieder im kalten Deutschland sitze, wohl einer der schönsten Orte an dem ich jemals war. 

Zwei Wochen lang habe ich die Lodge fotografiert, in jeden Winkel geschaut, viel gelernt und viele, sehr nette Menschen kennenlernen dürfen. Was nun ist so besonders an Mihingo? Ich will es gerne erzählen:

Seit 2007 gibt es die Mihingo Lodge, gebaut auf und um den Mihingo Hill, entstanden aus lokalen Baustoffen. So sind z.B. alle tragenden Balken aus abgestorbenen afrikanischen Olivenbaumstämmen, die Dächer Grasgedeckt, die luxuriösen Zelte, handgefertigt, aus Kampala. Alle Möbel hat ein Schreiner, zum Teil aus Wildholz, hergestellt. Kein Baum wurde für den Bau der Lodge gefällt. Das ist auch der Grund, warum der Weg zur Lodge so verwunden ist, er geht um die alten Bäume herum. Selbst die Wege in der Lodge winden sich um die Bäume, was den Eindruck einer Märchenlandschaft hinterlässt. An ein öffentliches Strom- und Wassernetz ist die Lodge nicht angeschlossen, so etwas gäbe es auch gar nicht in dieser Gegend. Die Lodge versorgt sich sich selbst mit diesen wichtigen Gütern. Strom kommt aus Solarzellen, vielen Solarzellen und das Wasser stammt aus einem Regenauffangbehälter. Es wird soviel Wasser gesammelt, das die Lodge sogar einen Pool hat. Natürlich wird das Wasser durch Filteranlagen aufbereitet. Das Warmwasser bereiten wiederum Sonnenkollektoren auf. Sollte die Sonne einmal nicht scheinen, was sehr selten ist, halten die Warmwassertanks, das Wasser 3 Tage lang warm. Falls es doch einmal zur einem Wasserrengpass kommen sollte, bisher nur 3 mal geschehen, gibt es, als Backup, eine Solarpumpe am Lake Kachera, die dann, über ein Leitungssystem, Seewasser zur Lodge pumpt. Zur Zeit ist eine Biogasanlage geplant, um auch im Bereich Gas, welches zum Kochen benötigt wird, unabhängig zu werden. Es gibt einen liebevoll angelegten Gemüsegarten aus dem vieles, was die Küche benötigt, stammt. Obst,Gemüse und Kräuter werden hier angebaut. Sogar eine kleine biologische Fischzuchtanlage für Tilapias gibt es, aber so ganz funktioniert sie noch nicht, die Fische wollen nicht so recht wachsen. Und zu guter Letzt zahlt Mihingo sogar eine CO2 Kompensation, dabei wird außer Gas zum Kochen, kaum ein fossiler Brennstoff verwendet. Aber sie tuen es trotzdem. 

Durch all diese, wirklich ausgeklügelten Systeme, haben es die Lodgebesitzer geschafft, komplett autark agieren zu können. Ein großer Vorteil in Uganda. All das macht die Mihingo Lodge jetzt schon besonders und liebenswert aber es wird noch weit mehr getan. 

Auch auf dem sozialen Sektor bemüht sich die Lodge. Alle Mitarbeiter kommen aus der näheren Umgebung und werden fair bezahlt, es gibt gute und saubere Unterkünfte, medizinische Versorgung. Jeder Mitarbeiter bekommt pro Tag einen Liter Milch, was daraus nicht üblich ist in dieser Region. Und es gibt die Möglichkeit, Microkredite zu erhalten. Was mir jedoch besonders gefiel, es sind viele Mitarbeiter, so das es für den Einzelnen ein angenehmeres Arbeitsleben ist. Nicht wie bei uns, wo überall und alles wegrationalisiert wird um den Nutzen und Profit zu optimieren. Da bleibt der Einzelne gerne mal auf der Strecke. Hier nicht. Und all das spiegelt sich im Arbeitsklima wieder. Alle Mitarbeiter sind durch die Bank gut gelaunt und fröhlich. So sollte es sein. 

Es geht aber noch weiter. Mihingo hat den „MCCDF“ gegründet, die „Mihingo Conservation and Community Development Foundation“. Diese Foundation unterstützt zwei Dinge, einmal mit dem „Mihingo Education Project“ unterstützt die Lodge, seit 2010, aktiv eine Grundschule in einem nahegelegenen Dorf. Mit ihrer Hilfe wird dort ein Schulgebäude errichtet und die Schüler werden mit Lernmitteln unterstützt. 

Und zum anderen gibt es seit 2008, sehr erfolgreich, das „Mihingo Lepart Projekt“. Hier wird aktiv Umweltschutz betrieben, in dem man erfolgreich die Vergiftung von Leoparden und anderen Beutegreifern verhindert. Zu diesem „Human-Wildlife Conflict“ schreibe ich jedoch gesondert. 

Der Kadaver wird begutachtet

Und dann ist da noch der Mburu National Park, den ich Eingangs erwähnte. Mit diesem Park arbeitet die Lodge eng zusammen. Zum einen müssen die Gäste den Park passieren, um zur Lodge zu gelangen. Hierfür muss die Parkgebühr bezahlt werden. Ein direkter Benefit für den Park. Und zum anderen arbeitet die Lodge eng mit den Rangern zusammen, so werden z.B. „Nature Walks“ angeboten, die von bewaffneten Rangern geleitet werden. Auch in Sachen Fleischwilderei arbeiten Lodge und Nationalpark zusammen. 

Im übrigen wird dieses Umweltbewusstsein nicht an die große Glocke gehängt, viele Gäste wissen gar nicht das Mihingo so Nachhaltig ist. Hier zählt ein gewisses Understatement der britischen Art. Die Summe all dieser Dinge lässt diese Lodge in einem besonderen Licht erscheinen. Nicht nur, das man auf Mihingo wirklich luxuriös Urlaub machen kann, nein, man kann sich wirklich entspannt am Pool zurücklehnen und guten Gewissens die Annehmlichkeiten der Lodge genießen. Hier wurde alles auf Nachhaltigkeit, soziale Verträglichkeit und Umweltschutz abgestimmt. Ich wünschte, dies wäre auch in anderen Hotels/Lodges so. Das alles und noch viel mehr, macht Mihingo so einzigartig. 

Ich merkte schnell, dass auf Mihingo ein anderer Wind weht und so habe ich meinen Job guten Gewissens, zur Zufriedenheit aller, mehr als erfüllen können. 

Ach ja, fast vergessen, die vielen Tiere die auf Mihingo leben. Mihingo hat keinen Zaun, wozu auch, es gibt keine großen Tiere wie Löwen oder Elefanten, keine Tiere die Menschen gefährlich werden können. Man kann sich an Klippspringern erfreuen, die gerne morgens durch die Lodge wandern, Impalas bestaunen, sich mit Meerkatzen herum ärgern, weil mal wieder ein Stück Obst geklaut wurde. Ganz zu schweigen von den vielen Vögeln und Schmetterlingen die überall herumfliegen. Auch Leoparden schauen ab und zu vorbei, jedoch gehören wir Menschen definitiv nicht in das Nahrungsspektrum dieser scheuen und wunderschönen Katzen. 

Abends kann man sogar Bushbabys (Riesenohr-Galago), eine nachtaktive Halbaffenart, bewundern, die man vorsichtig an das Lodgeleben gewöhnt hat. Sie kommen immer um 20:00 Uhr, freiwillig, zur Buschbaby Plattform um sich ein Stück Obst abzuholen. Diese kuscheligen Tiere würde man sonst nie zu Gesicht bekommen. All die anderen kleinen und Kleinstlebewesen möchte ich gar nicht erwähnen, es sind so viele. Auf jeden Fall hat sich Mihingo mit den ortsansässigen Tieren arrangiert und sie teilweise integriert. Hier wird mit der Natur gelebt, nicht gegen sie.