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Sami Fayed Photography

Kleine Bemühungen können viel bewirken...


Das "Mihingo Lepard Project".

Der Mburu National Park im Süden Ugandas beherbergt viele Tiere, die meisten gehören zu den Pflanzenfressern. Aber wo sich Pflanzenfresser aufhalten, sind auch immer Fleischfresser vorhanden. In diesem Park sind es Leoparden und Hyänen.

Ein vollgefressenes Hyänenweibchen beobachtet uns.

Der Tisch für die Fleischfresser ist reich gedeckt, wäre da nicht ein kleines Problem. Der Park ist nicht eingezäunt und es gibt keine Pufferzone mit eingeschränkter Nutzung um den Park herum. So weiden Haustiere wie Ankole Kühe, Ziegen und Schafe bis direkt an die Parkgrenze. Da ist es naheliegend, das sich ein „Human-Wildlife Conflict“ auftut.

Wunderschöne Ankole Kuh mit mächtigen Hörnern

Teilweise weiden die Tiere sogar im Park, was strengstens verboten ist. Vieh, welches im Park aufgespürt wird, wird von den Rangern zusammengetrieben und muss dann von den Besitzern gegen eine empfindliche Strafe ausgelöst werden. Lediglich in starken Trockenzeiten darf das Vieh, legal, zum tränken in den Park geführt werden. So weit so gut. Bis jetzt klingt alles mehr oder weniger „normal".

Wären da nicht die schlauen Jäger der Nacht. Diese machen nämlich das, was für sie am einfachsten ist. Sie bedienen sich bei dem, sehr einfach zu jagenden, Nutzvieh. Warum sollten sie auch einer flinken Impalagazelle hinterherjagen, wenn sie doch ohne große Mühe eine Kuh oder Ziege schlagen können.

Die Viehbesitzer lassen, wie gesagt, ihr Vieh, bis direkt an die Parkgrenze, tagsüber, weiden. Nachts werden die Tiere in einen Korral mit einem einfachen Holzzaun gesperrt. 

 

Ein neugebauter Koral, in traditioneller Bauweise, wird begutachtet
Dieser Zaun hält keine Hyäne oder Leoparden ab.

 

Dieser Korral ist bestenfalls ein Hindernis für die Kühe, jedoch nicht für Hyänen. Sehr einfach können die Jäger in den Korral eindringen und sich bedienen oder sie versetzten die Kühe in Panik, diese brechen aus und dann schlagen sie zu. 

Gleiches gilt für die Ziegen, auch diese werden Abends in Korrale getrieben, und wieder nur ein einfacher Holzzaun. Jeder Leopard lacht darüber und bedient sich. 

So fallen regelmäßig mindestens einmal pro Woche Nutztiere den Jägern der Nacht zum Opfer. Sehr zum Missfallen der Besitzer, verständlich, stellen die Tiere doch einen nicht zu verachtenden Wert dar. Hyänen und Leoparden werden regelrecht gehasst. Und die Besitzer wehren sich, allerdings in einer Art und Weise, die absolut nicht geduldet werden kann. 

Sie vergiften nämlich die Kadaver - meist mit Rattengift - welches überall kostengünstig zu bekommen ist. Diese hinterhältige Verteidigungsstrategie hat ungeahnte Folgen. Alle Tiere die sich jetzt an einem Kadaver laben, werden vergiftet. Das sind Hyänen, Leoparden, Mangusten, Geier, Adler und viele andere mehr. Durch diese Vergiftung der Kadaver findet ein Sterben im ganzen Ökosystem des Mburu National Parks statt. Teilweise werden ganze Hyänenclans ausgerottet. So sank in der Vergangenheit die Anzahl der Hyänen und Leoparden stark ab - so stark, das sie in diesem Teil von Uganda sogar vom Aussterben bedroht waren. Ich schreibe bewusst „waren“.

Die Mihingo Lodge, direkt am Park gelegen, gegründet 2007, nimmt sich seit 2008 erfolgreich dieser Thematik an. Es wurde der „Mihingo Conservation & Community Development Fund“, kurz „MCCDF", gegründet. Mit dem „Mihingo Lepard Project“ hat sich der „MCCDF" zum Ziel gesetzt, die Viehhalter von der scheußlichen Methode des Vergiftens abzubringen. Mit Erfolg! 

Zwei Wege hat der „MCCDF" dabei eingeschlagen, der eine kompensiert den Schaden für die Viehbesitzer, der andere besteht aus beratenden Gesprächen und Unterstützung im Bau sicherer Korrale. 

Eine „Kompensation“ sieht folgendermaßen aus: 

Die Viehbesitzer melden bei dem „MCCDF" den Verlust eines Tieres. Daraufhin beurteilt der „MCCDF"  ob das Tier auch tatsächlich von Hyänen oder Leoparden geschlagen wurde. 

 

Der Kadaver wird begutachtet
Der Fall wird aufgenommen

 

Es wird das ungefähre Gewicht und Alter des Tieres ermittelt. Auf Basis dieser Daten wird ca. 1/3 des Handelspreises an den Besitzer als Entschädigung gezahlt. 

 

Der Kuhbesitzer unterschreibt die Quittung

 

Anschließend wird der Kadaver vom „MCCDF" mitgenommen und „fachgerecht“entsorgt. So wird ausgeschlossen, das der Kadaver doch wieder vergiftet wird. 

 

Der Restkadaver wird fortgetragen
Eine etwas unangenehme Arbeit, der Kadaver wird auf dem Autodach verzurrt.
Schließlich wird der Kadaver in einer abgedeckten, sehr tiefen Grube, entsorgt.

 

Diese einfache Maßnahme hat die Populationen von Hyänen und Leoparden in den letzten Jahren wieder stabilisiert. Natürlich stellen diese „Kompensationen“ für den „MCCDF" einen finanziellen Mehraufwand dar, der aus eigenen Mitteln bestritten wird. 

Durch beratende Gespräche mit den Viehbesitzern konnte ein Umdenken in der Bevölkerung erreicht werden. Langsam wird eingesehen, das Leopard und Co. einen direkten Einfluss auf den Wohlstand der Region haben. Ohne diese Tiere, keine Touristen. Keine Touristen, kein Geld. So einfach ist das. Und es funktioniert. 

Ferner berät der „MCCDF" die Viehbesitzer im Bau von Hyänen- und Leoparden-sicheren Korrale. Es werden sogar Mittel bereitgestellt für den Bau solcher einfachen aber sicheren Korrale. 

 

Ein etwas schiefer aber sicherer Ziegenstall.

 

Diese einfachen Maßnahmen haben dazu geführt das es nun wieder ca. 40 Leoparden im Park gibt, und sogar die Hyänenpopulation hat sich wieder auf ein gesundes Maß vermehrt. Trotzdem kann noch nicht von einer Entwarnung gesprochen werden, reicht doch ein einziger vergifteter Kadaver aus um mehrere Leoparden und ganze Großverbände von Hyänen sterben zu lassen. 

„MCCDF" bleibt am Ball…...